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Dörthe's Diary
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Die liebe Familie
Einmal im Jahr – und das immer wieder – besucht man mal seine Verwandtschaft. Meist passiert das zu einem außergewöhnlichen Anlass. Hochzeiten, runde Geburtstage oder Geschäftseröffnungen. Man freut sich drauf, denn so oft sieht man sich ja nicht, da alle verstreut wohnen. Und ich mag sie ja alle echt. Aber dann passiert doch immer das, weshalb mir dann wieder einfällt, warum ich das nur einmal im Jahr mache.
Immer wieder vergesse ich, dass ich ja eigentlich mein Hirn zu Hause lassen kann. Meine Mutter ist echt toll, doch sobald sie unter ihren Geschwistern und bei ihrer Mutter ist, fängt sie an mich als 37-Jährige stattdessen wie eine 7-Jährige zu behandeln. In dem Moment kriegt man auf einmal gesagt, man solle doch einen Schal oder eine Jacke anziehen, wird gefragt, ob man schon Pipi gemacht hat und wird gemahnt, dass man kein Glas umschmeißen soll oder gefragt ob man sich auch die Hände gewaschen hat. In solchen Momenten frage ich mich wirklich, wie ich ohne diese ganzen Ermahnungen und liebevoll gemeinten, aber doch unnötigen Aufforderungen sonst ein eigenständiges Leben führen kann.
Vor allem beginnt man unter diesem Druck echt sein Hirn abzuschalten und es passieren einem diese kleinen Patzer, die den Verwandten dann wiederum die Bestätigung geben, dass man ohne die wertvollen Tipps derer wiederum überhaupt nicht lebensfähig ist.
Das schöne ist wiederum, dass man sich mal wieder fallen lassen darf. Man wird von vorne bis hinten bedient: zum Beispiel wird man gefragt, was man trinken möchte, dabei weiß man genau wo Gläser stehen und auch wo sich der Kühlschrank befindet. Es werden einem die Wünsche von den Augen abgelesen und es gibt die köstlichsten Köstlichkeiten – allein schon beim Abendbrot. Da wird aufgetischt wie in einem Königshaus. Während man sich zu Hause überlegt, ob man die Oliven oder aber die Peperoni aufmachen soll – beides wäre zu viel und würde schlecht werden, bekommt man dort Oliven, Peperoni und auch noch den leckeren eingelegten Schafskäse. Alles nur vom feinsten. Nix Aldi und Ja-Produkte!!!
Da kann man leicht drüber wegsehen, dass einem die Oma vorschlägt, doch mal auf dem Friedhof zu gehen, da hätte sie auch noch einen sehr netten Lebensgefährten gefunden. Oder aber dass sie einem vorschlägt, den Mantel, den sie so leid ist, doch mal anzuprobieren, schließlich hätte dieser (in Größe 44) doch noch einen sehr modernen Schnitt. Auch die Frage, ob die Haare so liegen müssen, man könnte sich doch mal kämmen, überhört man da gerne. Auch wenn man schon die ordentlichsten Klamotten mitgenommen hat, wird man Meisterin des Ignorierens, dass man aber morgen sich ruhig mal etwas feiner machen könnte – aber bitte nicht sooo offenherzig! Es bleiben aber ebenso witzige Momente, so zum Beispiel, dass Oma den Sinn eines Smartphones mit Funktionen wie Internet und Facebook nicht kennt und fragt, als alle wild am Tippen sind, ob sie sich gegenseitig anrufen.
Und wenn ich dann wieder nach Hause fahre, blicke ich doch wehmütig zurück. Sie lieben einen ja und meinen es ja nur gut! Schnell vergisst man den ganzen Stress, den man dort gemacht bekommt. Ich sehe meine Oma einfach zu selten und nehme mir jedes Mal vor, demnächst und mal früher wieder dorthin zu fahren. Vielleicht mal, wenn nichts ansteht und man viel mehr Zeit für diese ganzen Leute hat. Aber sobald der Alltag einen wieder hat, gehen die Wochen einfach zu schnell vorbei und ruck zuck steht das nächste Event auf der Matte… Immer wieder ein Erlebnis!

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