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Dörthe's Diary
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Die lieben Nachbarn
Es hat Vorteile und auch Nachteile auf dem Land zu wohnen. Vorteil, den sehr wahrscheinlich jeder Großstädter als erstes nennen wird ist, dass ich immer zu einen Parkplatz da bekomme, wo ich es möchte. Und das nicht nur vorm Supermarkt, sondern zu Hause und auch vor meiner Lieblingskneipe. Kein stundenlanges Suchen sondern Zack da isser!!! Der anderer Vorteil sind die sagenhaft günstigen Mieten auf dem Land, die wunderschöne Landschaft, der Geruch von frisch gemähten Gras und die persönlichen Beziehungen und kleineren Unterhaltungen beim Einkauf im heimatlichen Supermarkt. Das ist das eine. Aber und jetzt das ABER: Gerade die persönlichen Beziehungen mit Gott und der Welt! Es wird sich nun mal auf dem Dorf gekümmert. Und zwar um alles!! Ob man will oder nicht. Und das geht bis in die tiefste Intimsphäre! Geht mal in die dörfliche Apotheke und kauft einen Schwangerschaftstest, ein Päckchen Kondome oder aber ein Mittel gegen Fußpilz! Wenn die „richtigen“ Leute ebenfalls in dieser Apotheke sind, geht es sofort los. Wie bei stille Post ist drei Stunden später einmal im ganzen Ort rum, dass man schwanger, ein Flittchen oder aber total unhygienisch ist. Natürlich produktbezogen…
Gekümmert wird sich ohne Ende! Beiläufig wird erwähnt, dass man ja schon länger die Gardinen nicht abgenommen hat, deswegen wohl auch die Fenster nicht geputzt hat und schon ziemlich viel Männerbesuch in den letzten Wochen bei einem war. Auch wenn dieser ein guter Freund aus alten Tagen ist, der auf einen Kaffee vorbeischaut und zu Hause eine glückliche (und ich meine wirklich glückliche) Beziehung hat. Umso schlimmer!!! Es wird geschaut, wann man zu Hause ist, wann das Auto wo steht und warum es wohl so ist. Freundlich wird man drauf hingewiesen, dass sich Gedanken gemacht wurde, weil die Rollläden am Samstag erst gegen neun hochgezogen wurden, obwohl doch schon um zehn am Vorabend das Licht ausging und das Auto ja eine Woche nicht bewegt wurde, ob man Probleme mit der Polizei hätte, der Führerschein vielleicht weg sei?!?
Es ziemt sich nicht als alleinstehende Frau später nach Hause zu kommen als die verheirateten Männer. Es wird auch nicht gerne gesehen, dass da „ständig“ verschiedene Männer ein- und ausgehen, ohne dass der komplette Ort weiß, wer das ist und in welcher Beziehung er zu einem steht. Es ist fast unverschämt, als Fastvierzigerin ohne einen Mann an der Seite in einem so kleinen Ort überleben zu können. Aber sie meinen es ja nur gut! Und das meine ich wirklich so! Klar, sie machen sich Sorgen! Zu viele vielleicht, aber besser so als gar nicht! Oder?? Ich meine, wie oft hört man, dass irgendwelche alten Menschen in der Großstadt tagelang krank oder gar tot in ihrer Wohnung gefangen sind und kein Mensch bekommt es mit!!?!? Das passiert einem hier natürlich nicht. Und hier gibt es nun mal nichts aufregenderes als das sich irgendwer getrennt hat, nicht weiß von wem das Kind ist oder einfach einen etwas zu kurzen Rock beim Brötchen holen an hatte! Das ist doch schön, dass hier keine schlimmeren Probleme öffentlich ausdiskutiert werden müssen. Keine Verbrechen – hier kann man sein Auto auch gerne mal die Nacht offen stehen lassen. Keine Familienfehden in sozialen Brennpunkten, da es keine sozialen Brennpunkte gibt. Keine Kindesentführungen, da jeder weiß, zu wem hier welches Kind gehört und wer gerade schwanger ist. Man kann mal genervt sein, aber sie meinen es ja einfach nur gut!

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