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Dörthe's Diary
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Ein Trip erster Klasse

Nun geht’s aber los. Die Fahrt von Gießen nach Kassel verlief ohne besondere Vorkommnisse. Schade eigentlich. Abenteuer wo bleibst du denn?? Naja wird noch kommen. Irgendwie bin ich wehmütig und ich habe seit über drei Stunden nicht mehr gesprochen. Ob meine Stimme noch funktioniert?? Wird ich nachher mal testen. Jetzt muss ich erstmal gucken wie man den verdammten Sitz in eine gerade Position stellt. Bis später!

So fing meine Reise an. Den Sitz hatte ich nach einigen unauffälligen Versuchen, auffällig in die gerade Position bekommen. Pünktlich kam ich in Berlin an. Also laut Zugfahrplan pünktlich. Mein Blind-Sleeping hatte allerdings erst eine Stunde später Feierabend, so dass ich noch jede Menge Zeit hatte, den Hauptbahnhof von Berlin zu erkunden. Rauchen darf man irgendwie nur am Eingang. Und die Toilettenbenutzung kostet einen ganzen Euro! Dafür bekommt man einen Wertgutschein von 50 Cent, den man in einem der vielen Geschäfte wiederum einlösen kann. Außer bei dem, wo ich mir ein Baguette kaufen wollte. “Im Moment lösen wir keinerlei Wertgutscheine ein!” Na dann halt nicht. Tja… immer noch fast eine ganze Stunde. Ich ging noch mal raus, um eine zu rauchen. Schließlich hatte ich davor ganze drei Stunden nicht geraucht. Und keine Ahnung, ob ich nachher so rauchen konnte wie ich wollte. Irgendwann rief er dann an und erklärte mir, dass ich dann an den Ausgang kommen sollte. Kein Problem. Es gab ja nur zwei Hauptausgänge und ich entschied mich natürlich erstmal für den falschen.

Der erste Eindruck ist entscheidend. Und für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Nicht wahr??? Er sah nett und anständig aus. Und Korrekt und genau. Und vorsichtig. Irgendwie hat es gar nicht zu ihm gepasst, dass er mich so mir nichts Dir nichts zu sich eingeladen hat. Ich denke, dass war für ihn ein größeres Abenteuer als für mich. Vielleicht eine Herausforderung?? Dies ist vielleicht übertrieben, denn für den nächsten Tag sagten sie Regen voraus, was zur Folge hatte, dass er lieber mal eine Regenjacke mitnahm. Ich nicht. Es sah einfach nicht so sehr nach Regen aus. Und wenn schon – ich denke, dass Berlin genug Möglichkeiten hat, sich irgendwo unterzustellen oder halt in einem Cafe abzuwarten, bis der größte Schauer vorbei ist. Tststs.. Petrus erhörte aber auch offensichtlich mein Bitten und Flehen und schenkte uns einen wunderschönen Sommertag. Und die Regenjacke meines Bekannten bekam so nun auch mal Berlin über den Arm hängend zu sehen.

Letzten Endes muss ich sagen, dass ich Berlin sehr faszinierend finde. Eine Stadt, die so hässlich und großartig ist. Sehr gegensätzlich. Leider habe ich irgendwie keinen einzigen Berliner kennengelernt. Keine Berliner Schnauze. Es war fast so, als ob die Stadt hauptsächlich aus Touristen und Zugezogenen besteht. Aber auch das macht wohl die Stadt aus.

Die Rückfahrt lief übrigens sehr entspannend. Ich hatte ein Upgrade auf die erste Klasse und durfte so die Lounge der Bahn im Berliner Hauptbahnhof austesten. Prima – alles auf Kosten der Bahn – ob Häppchen, Kaffee und Softgetränke. Im Zug selbst absolute Beinfreiheit und Ledersitze. Und absolute Stille, denn der nette Mann am Schalter hatte mir eine Reservierung im Ruhewagon der ersten Klasse gegeben. Kein Handy, keine Gespräche und pure Langeweile!!! Wie auch immer, ich bin wieder zu Hause und habe jetzt noch fast zwei Wochen Ruhe bevor ich wieder arbeiten muss. In diesem Sinne…

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