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Dörthe's Diary
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Nach Hause telefonieren…
Merkt ihr es auch?!? Es hat sich so nach und nach in unser Leben geschlichen. Das Handy! Ich wundere mich immer wieder wie es bloß damals so ganz ohne Telefon ging. Also nicht ganz ohne. Aber es stand zu Hause. In meinem Zimmer. Ich war zwölf. Da ging es meinem Vater auf die Nerven, dass der Familienanschluss IMMER besetzt war und deswegen bekam ich in diesem zarten Alter ein eigenes! Mann war ich stolz. Allerdings hatte ich die Nachteile nicht bedacht. Meine so großzügigen Eltern wollten mir an Hand des Telefonanschluss den frühzeitigen Umgang mit Geld erlernen und mich zur Wirtschaftlichkeit erziehen. Na bravo! Ich bekam zwar mehr Taschengeld, musste aber die Einheiten, wenn ich jemanden anrief selbst zahlen. Das fand ich blöd.
Zurück zum eigentlichen Thema. Das stand wie gesagt in meinem Zimmer. Und wenn ich zu Hause war, konnte ich einen Anruf entgegen nehmen. Alles Wichtige klärte man aber bereits vormittags in der Schule ab. Man verabredete sich persönlich. Und man ging auch zur Verabredung hin! Nicht so wie heute. Heute ist alles spontaner. Man sagt spontan und unverbindlich zu, um dann 15 Minuten vor dem Date wieder abzusagen. Natürlich aus ganz wichtigen Gründen. Dass diese in Wirklichkeit Unlust, Unmut oder einfach nur der „nee-nich-mit-dir“-Grund sind, wird ja nicht verraten. Das ging ja damals gar nicht, weil man 15 Minuten vorher schon längst unterwegs war und das Telefon (mit Wählscheibe) immer noch im Zimmer stand.
Daran habe ich mich ja mittlerweile gewöhnt. Ich meine, das ging ja in den letzten 25 Jahren stufenweise. Und halt schleichend. Erst das Telefon mit Wählscheibe. Dann eines mit Tasten. Aber immer noch fest auf dem Tisch stehend. Ich wohnte bei meinen Eltern im Keller, so dass ich in Rekordzeit die Treppen herunter gesprungen bin, damit ich rechtzeitig abnehmen konnte. Schließlich gab es ja auch noch kein Display, wo man sehen konnte, wen man nun verpasst hatte. Das kam erst weit nach dem ich mir – inzwischen war ich ausgezogen – ein mobiles Tastentelefon mit Anrufbeantworter zugelegt hatte.
Und schon konnte man in allen Zimmern seiner Wohnung telefonieren. Luxus pur!!! Im Wohnzimmer auf der Couch, im Bett und auf dem Klo! Die Welt konnte schöner nicht sein. Und dann kamen die Handys. Anfangs nur als Notfalltelefon gedacht, falls man mal eine Autopanne hat, entwickelte dieses Gerät sich viel mehr zu dem, was einem ans Ohr festgewachsen war. Dafür bekam man aber einen richtig schönen Oberarm durch das Gewicht. Allerdings nur einseitig. Zum Glück wurden die Dinger kleiner. Und vielseitiger. Man konnte zum einen Telefonieren. Und spielen!!! Und auf einmal Bilder empfangen. Anfangs nur irgendwelche verpixelten Teddybären. Dann Fotos. Dann konnte das Ding auch noch Fotos machen. Und Musik abspielen. Und jetzt auch noch Internet. Ab jetzt bin ich immer und überall erreichbar. Nicht nur auf meinem eigenen Klo. Nein auch auf anderen Klos. Und nicht nur telefonisch. Wer was auf sich hält, postet bei Facebook oder anderen Netzwerken, in welcher Farbe er gerade geschissen hat. Und zwar mit Bild!!! Jawohl! Und zwar mit seinem neuesten Handy. Äh Smartphone. Was mittlerweile sogar mit dem richtigen App nachmessen kann, wie lange das Frühstücksei kochen muss, Dir sagt, wie du am besten von A nach B kommst und wer von deinen Freunden gerade im Karstadt einkaufen geht.
Es schlägt mir jetzt schon meine Freunde vor! Es weckt mich! Es speichert mein Leben. Organisiert es! Es teilt anderen mit, wo ich gerade bin und war! Ich glaube, mein Smartphone hat mich übernommen… Tschüß Leben! Ab nächste Woche heißt mein Blog sehr wahrscheinlich: Der Dörthe ihr Handy sein Tagebuch! Jawohl! Es war schön mit Euch!!!

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